Gute Jahre für den Deutschen Tonkünstlerverband

DTKV-Geschäftsführerin Elisabeth Herzog im nmz-Gespräch.

Ein Artikel von Andreas Kolb, Elisabeth Herzog

Verwaltungsarbeit und Geschäftsführung wurden im DTKV-Bundesverband jahrelang weitgehend ehrenamtlich geleistet.

Seit März 2010 ist Elisabeth Herzog Geschäftsführerin in einer Vollzeitstelle. Nach dem Studium der Alten Geschichte, Philosophie und Historischen Hilfswissenschaften in Köln und Passau war Elisabeth Herzog in Passau unter anderem beim Oberhausmuseum und bei der Gleichstellungsstelle der Stadt Passau beschäftigt. Es folgten Anstellungen für das Resort Musikmanagement und Kulturveranstaltungen beim Euregio Symphonieorchester e.V. sowie bei der Passau Event GmbH.

Für die nmz unterhielt sich Chefredakteur Andreas Kolb mit der DTKV-Bundesgeschäftsführerin.

Neue Musikzeitung (Ausgabe: 2/13)

neue musikzeitung: Kürzlich schrieb der Präsident des DTKV, Dirk Hewig, in der nmz: „2012 war ein gutes Jahr für den DTKV“. Können Sie das bestätigen?

Elisabeth Herzog: Ja, wir haben in vielen Bereichen einen Schritt nach vorne getan. Wir sind stärker in der Öffentlichkeit präsent, etwa durch das neue Buch in der nmz, aber auch durch verschiedene Kampagnen, wie etwa die Abwendung des neuen Umsatzsteuergesetzes, das für 2013 geplant war. Dass uns dies gelungen ist, hängt auch damit zusammen, dass wir Verbände übergreifend mit dem Deutschen Musikrat, mit dem Bundesverband Deutscher Privatmusikschulen(bdpm) und der Fachgruppe Musik bei ver.di zusammengearbeitet haben. Fast 100.000 Unterschriften konnten gesammelt werden. Wäre dieses Gesetz in Kraft getreten, hätten die freien Musikschulen für diejenigen Bildungsleistungen, die nicht „reine Bildungsleistung“ sind, wie z. B. „musikalische Früherziehung“ oder „Musik machen 50 plus“, Umsatzsteuer zahlen müssen. Jetzt bleibt es bei der alten Regelung: Jeder kann die Befreiung bei seiner zuständigen Landesbehörde beantragen. Wir erteilen dazu gerne Auskunft.

nmz: Alles Sonnenschein? Wo sind die Probleme? Die offenen Fragen?

Herzog: purer Sonnenschein ist übertrieben. Es gibt in jedem Verband Aufgaben, die zu lösen sind. Nicht ganz so erfolgreich waren wir etwa bei der Bewerbung für die Mittel von „Bündnisse für Bildung“. Hier ist der DTKV mit seinem Antrag nicht berücksichtig worden. Wir werden jedoch in diesem Bereich mit dem Verband deutscher Musikschulen (VdM) zusammenarbeiten, um den Freien Musikpädagogen hier Arbeitsmöglichkeiten zu erschließen. Eine Absprache mit dem VdM zur Wahrnehmung gemeinsamer Interessen wurde bereits in 2012 geschlossen. Generell werden wir die Zusammenarbeit mit anderen Verbänden dort ausbauen, wo sich die Interessen decken: Mit der verdi-Fachgruppe Musik werden wir bei unserer geplanten Mitgliederumfrage zusammenarbeiten. Mit der European Piano Teachers Association (EPTA) stehen wir in Fachfragen im Austausch. Gespräche führen wir ausserdem derzeit mit dem Bundesverband Privater Musikschulen (bdpm).

nmz: Diese neuen Kooperationen finden ja auch Ausdruck in der erstmaligen Beteiligung des DTKV am Verbändegemeinschaftsstand des ConBrio-Verlags auf der Musikmesse Frankfurt vom 10. bis 13. April.

Herzog: Bisher war der DTKV auf der Musikmesse immer Gast am Stand der Mannheimer Versicherung. Die diesjährige Beteiligung am Verbändegemeinschaftsstand eröffnet andere Perspektiven für den Messeauftritt des DTKV. Präsentierte sich der DTKV die letzten Jahre zusammen mit seinem Hauptversicherer explizit im Bereich Berufshaftpflichtversicherung, Rechtschutzversicherung, Instrumentenversicherung – so stellt er sich dieses Jahr an die Seite der Musikverbände. Beides hat seine Reize. Wir werden die diesjährige Musikmesse dazu nutzen, das gesamte Leistungsspektrum des DTKV zu präsentieren. Neben der Information und Beratung am Stand werden wir zentrale Themen auf dem Podium des Verbändegemeinschaftsstandes in Diskussionsrunden erörtern. Im Fokus wird der Freie Musikpädagoge stehen.

nmz: Kulturverbände entwickeln sich momentan weg von der berufsständischen Gemeinschaft zu dienstleistungsorientierten Serviceunternehmen hin. Der DTKV-Baden-Württemberg, so stand kürzlich in der nmz zu lesen, trägt sich gar mit der Idee zur Gründung einer GmbH.

Herzog: Die Idee zur GmbH stammt vom Bundesverband. Die notwendigen Beschlüsse dazu wurden bereits vor drei Jahren im zuständigen Gremium der Bundesdelegiertenversammlung gefasst, damit der DTKV auch im wirtschaftlichen Bereich tätig werden kann. Der DTKV Baden-Württemberg möchte in diesem Bereich ab Mitte 2013 tätig werden. Derzeit prüfen wir zwei Möglichkeiten: zum einen die Gründung einer DTKV-Bundes- GmbH, an der sich die 16 Landesverbände des DTKV beteiligen können – dies erfordert erfahrungsgemäß sehr viel Vorlaufzeit –, zum anderen die Beteiligung an einer bestehenden GmbH, so zum Beispiel an einer dann vielleicht in Baden-Württemberg schon installierten. Hier gäbe es allerdings auch noch andere Beteiligungsmöglichkeiten. Ein Businessplan wird zur Zeit erarbeitet. Der Aufgabenbereich der GmbH wird vor allem im Dienstleistungssektor zu finden sein (Mitgliederservice), aber auch im Fortbildungsbereich. Wir unterscheiden bei diesen Arbeitsfeldern einen gewinnorientierten Bereich sowie Serviceleistungen für unsere Mitglieder, die zwar wirtschaftlich tragfähig sein sollen, aber nicht unbedingt gewinnorientiert.

nmz: Genau vor einem Jahr ging das neue DTKV-Buch in der nmz an den Start. Wie sind die Erfahrungen damit?

Herzog: Grundsätzlich ist das Ganze sehr, sehr positiv. Das rührt schon daher, dass wir nicht mehr „nur“ Verbändeorgan sind, sondern der Gesamtauflage von 22.000 Exemplaren pro Ausgabe beiliegen. Dadurch haben wir neue Leser erreicht, die auch Mitglieder wurden. Inhaltlich können wir viel geschlossener in die Öffentlichkeit gehen als bisher. In einem Punkt gibt es allerdings Nachbesserungsbedarf: der DTKV muss im Verbändeteil neben den anderen Verbänden wieder präsent sein. Hier sollte in jeder Ausgabe redaktionell eine Querverbindung zum DTKV hergestellt werden.

nmz: 2013 begeht „Jugend musiziert“ 50-jähriges Jubiläum. In der nmz konnte man lesen: der DTKV will Jugend musiziert „zurückerobern“. Was ist damit gemeint?

Herzog: „Zurückerobern“ bezieht sich auf einen internen Prozess. Der DTKV zählt zusammen mit der Jeunesses Musicales Deutschland (JMD)und ab 1962 dem Deutschen Musikrat (DMR) zu den Gründern von Jugend musiziert. Wir möchten, dass künftig in möglichst allen regionalen Gremien DTKV-Mitglieder vertreten sind. So ist der der Begriff „zurückerobern“ zu verstehen.

nmz: Gibt es einen spezifischen Beitrag des DTKV zum Jugend musiziert-Jubiläum?

Herzog: Viele DTKV-Landes-, -Regional-, -Bezirks- und -Ortsverbände planen Feierlichkeiten und Veranstaltungen. Wir werden diese Beiträge gebündelt auf unserer Website darstellen. Unser Ziel für das Jubiläumsjahr war es, den DTKV wieder in alle Jugend-musiziert-Gremien zu bringen. Dies ist bundesweit fast erreicht. Hier haben die DTKV-Verbände großartig mitgearbeitet. Diese Zusammenstellung wird ebenfalls auf unserer website veröffentlicht. Über dieses 50-jährige Jubiläum hinaus wollen wir als Verband von Musikern und Musikpädagogen auch wieder Musik machen. Im Geiste der ehemaligen Tonkünstlerkonzerte möchte der Bundesverband künftig wieder ein Bundeskonzert oder auch einen Kompositionswettbewerb installieren, um auch im musikalischen Bereich wieder sichtbar zu werden.

nmz: Was beabsichtigen Sie mit der für 2013 geplanten Mitgliederumfrage?

Herzog: Eine Mitgliederumfrage im DTKV bundesweit ist Jahre her. Es gibt derzeit kaum aussagekräftige Zahlen, was den Status der privaten Musikpädagogen anbelangt. Auf die Ergebnisse der Umfrage wollen wir unsere zukünftige politische Tätigkeit ausrichten und unsere Serviceleistungen anpassen. Aus der Datenerhebung werden sich auch Projekte der nahen Zukunft ergeben. Dazu haben wir einen Bundesfachausschuss „Verbandsentwicklung“ gegründet: Gemeinsam mit dem Bundesverband machen hier derzeit sieben Landesverbände Zukunftspolitik. Unser Ziel ist es, quasi der ADAC der Musikberufe zu werden, einen Ausdruck, den unser Schatzmeister, Herr Mixa, gerne benutzt. Planerisch wollen wir auch im Ausbildungsbereich stärker tätig werden. Auch damit wird sich die geplante GmbH intensiv beschäftigen.

nmz: Seit vielen Jahren ist die Mannheimer Versicherung ein Partner des DTKV. Was tut sich Neues?

Herzog: Der DTKV ist sehr gut aufgestellt im Versicherungsbereich. Bei einem Mitgliedsbeitrag von durchschnittlich 90 Euro im Jahr ist jede gute Berufshaftpflichtversicherung teurer und diese ist bei uns im Mitgliedsbeitrag inbegriffen. Wir stehen in allen Versicherungsfragen laufend im Austausch mit der Mannheimer Versicherung oder auch anderen Versicherungsträgern. Neue Baustellen gibt es bei der Zusammenarbeit mit der GEMA. Den Rahmengesamtvertrag für unsere Mitglieder gibt es bereits. Wir haben seit 1. Januar 2013 einen neuen Rahmenvertrag mit der GEMA abgeschlossen, durch den unsere Mitglieder Vergünstigungen im Bereich „Vervielfältigung und Verbreitung von Tonträgern“ bekommen. Als nächstes gehen wir eine Vereinbarung mit der GEMA zur „Nutzung von Musik auf den Websites“ an.

nmz: Warum lohnt es sich, Mitglied des DTKV zu sein?

Herzog: Abgesehen vom pekuniären Ansatz mit Einsparungen für die Mitglieder im Versicherungsbereich ist der DTKV unverzichtbare Service- und Anlaufstelle. Egal ob Fragen zur Freiberuflichkeit, zu Zusammenschlüssen von Freien Musikpädagogen, zur GEMA, zur Künstlersozialversicherung und vielem mehr – der DTKV bietet Rat und Tat. Wir vertreten die Interessen unserer Mitglieder in Politik und Wirtschaft. Networking ist das Modewort, dessen Kerngedanke beim DTKV von je her praktiziert wurde und wird. In der gewachsenen Gemeinschaft der Tonkünstler sind die Menschen und Kontakte innerhalb des Verbandes sehr wertvoll.

nmz: Was wünschen Sie sich für Ihre Arbeit für Ihren Verband?

Herzog: Zuallererst, für mich persönlich, dass die Zusammenarbeit mit den diversen DTKV-Verbänden und den jeweiligen Vorstandschaften weiterhin so gut funktioniert wie bisher. Für den DTKV selber, dass es weiter in so großen Schritten vorangeht wie die letzten Jahre.

Kontakt neue musikzeitung (NMZ)

Chefredakteur Andreas Kolb (kolb@nmz.de)
Website: http://www.nmz.de/