Dürfen wir vorstellen?

Fotos: © Heidi Mayer

Ein Musikverein mit einer langen Historie und trotzdem ganz modern. Musik verbindet eben Generationen. Um fehlenden Nachwuchs braucht sich der Verein nicht sorgen, schon die ganz Kleinen sind schon ganz erpicht auf den Tag, Mitglied werden zu können. Wir stellen heute den Musikverein Hochdorf e.V. vor und berichten vom Jubiläumskonzert.

Ende Januar gab der katholische Musikverein Hochdorf anlässlich seines 85-jährigen Bestehens sein Jubiläumskonzert - mit großem Erfolg. Wenn man sich vergegenwärtigt, dass 85 Jahre in etwa einem Menschenleben in Deutschland entsprechen, wird einem bewusst, welch lange Zeit und Erfahrung dahintersteckt. Manch eine/r wird in diesem Verein erwachsen geworden sein. Erfahren zu sein, bedeutet jedoch nicht gleichzeitig verstaubt zu sein. Im Gegenteil! Der Verein besteht aus einem "bunten Haufen“ an sympathischen Musikern, unter denen sich auch einige unserer Mannheimer Mitarbeiter gemischt haben. Gern stellen wir Ihnen den Verein gern näher vor:


Unter der Leitung ihres Dirigenten Xaver Drews haben sich rund 70 unterschiedlichste Menschen jeden Alters das Ziel gesetzt, die Traditionen der Blasmusik zu bewahren und gleichzeitig durch moderne Ausrichtungen Menschen von jung bis alt und jeglicher Kultur anzusprechen, zu begeistern und zur Mitgestaltung zu motivieren.

Das hat Xaver Drews mit der Unterstützung seines Teams nach ca. eineinhalb Jahren Planung des besonderen Programms anlässlich des 85. Jubiläums mit Bravur gemeistert.
Extra für das Jubiläumskonzert holte er sich für die Leitung eines Projektchors die Sängerin und Chorleiterin Viola S. Hoffmann ins Boot, um die aktive Kapelle bei besonderen Stücken, wie „Bohemian Rhapsody“ von Freddy Mercury, zu begleiten. Das Jubiläumskonzert stellte eine Premiere für das Zusammenspiel von Kapelle und Chor dar. Zuvor bestand der Verein ohne eigenen Chor. Viola Hoffmann war deshalb mit ihrer Erfahrung in der Leitung von mehreren Chören der Umgebung eine wirkliche Bereicherung. Ihr spritziger Elan, dazu ihre hohe Motivation waren gute Grundlagen, um innerhalb der kurzen Vorbereitungszeit eine Gruppe fremder und unterschiedlicher Menschen jeden Alters in einen "richtigen Chor" zu verwandeln. Viele der Sänger waren ohne Chorerfahrung, was das Ganze zu einer echten Herausforderung machte. Viola Hoffmann schaffte es jedoch, aus den einzelnen Chormitgliedern eine singende Gruppe zu machen. Und das sehr gut!

Henriette Fischer, selbst aktives Chormitglied und früher einmal Mitglied der Kapelle, beschreibt die Schwierigkeit, Musik-Neulinge und Musik-Erfahrene miteinander in Einklang zu bringen, etwas näher. "Am Anfang waren alle sehr scheu, vor allem die 'Musik-Unerfahrenen'. Es hat seine Zeit gedauert, bis ein richtiger Chor aus den vielen SängerInnen wurde. Letztendlich wurde aber dann aus den zwei Gruppen „Chor“ und „Kapelle“ langsam eine. Am Ende haben alle zusammen gefeiert, dass die Show so gut geklappt hat, als wäre es nie anders gewesen. Das war super schön! Auch die 'Qualität' hat sich über die Zeit entwickelt: Am Anfang hat man sich ab und zu mal gerne die Ohren zugehalten.. aber mit der Zeit wurden wir immer besser und zum Schluss sogar richtig gut, wie ich finde, also dafür, dass wir erst seit so kurzer Zeit proben."

Das Publikum schien an diesem Abend hin und weg von der abwechslungsreichen Darbietung und klatschte eine gefühlte Ewigkeit lang:
Neben klassischen Stücken für eine Blaskapelle, wie Marc van Delfts „A Choral for a Solemn Occasion“, boten die Musiker den Jazzliebhabern im Publikum den Song „On the Sunny Side of the Street“ von Jimmy Mc Hugh mit Sologesang durch Michaela Braun. Besonders mitreißend für die Zuhörer war das bekannte Lied „Africa“ von Toto mit durch „Body-Percussion“ erzeugtem Gewitter vom Projektchor.

Der katholische Musikverein Hochdorf zeichnet sich neben den leidenschaftlichen Musikern durch die seit mehr als 30 Jahren aktive Förderung der Jugend aus, die dem Verein und seinen Mitgliedern sehr am Herzen liegt.
Die Vorjugend- und Jugendkapelle unter der Leitung von Dirigentin Julia Neubauer durfte beweisen, dass auch kleinere Hände super Musik machen können. Unterstützung bekamen die Jung-Musiker dabei für das Lied „The King of Swing“ von Benny Goodman, bei dem das aktive Schlagzeugensemble mit dem Schlagzeuger-Nachwuchs „mittrommelte“. Bei dem Lied „Die lustige Dorfschmiede“ revanchierten sich zwei der jüngeren Schlagzeuger dann bei der aktiven Kapelle und zeigten mit Witz und einer ungewöhnlichen Spielweise auf einem Amboss, wie viel Spaß man beim gemeinsamen Musizieren haben und wie vielseitig es sein kann, Schlagzeug zu spielen.

Wie fühlt man sich als beteiligter Musiker, wenn man das Ergebnis auf der Bühne präsentiert?
"Auftritte sind immer mit vielen verschiedenen Gefühlen verbunden," erklärt Henriette Fischer. Man ist aufgeregt, weil man vor so vielen Leuten singt und das der Auftritt ist, für den die ganzen Proben und die viele Mühe war. Aber man freut sich auch darauf, endlich das Ergebnis präsentieren zu dürfen. Man ist stolz darauf, dass man es geschafft hat. Wenn man beim letzten Ton angekommen ist, beschreibt Euphorie gut das Gefühl in diesem Moment. Bei mir ist es meistens so, dass ich mich ganz auf das Lied und meinen Gesang konzentriere. Dann bin ich 'in meiner eigenen Welt' und in das Lied vertieft. Das Publikum verschwindet, weil ich nur die Noten oder die Chorleiterin und den Dirigenten sehe. Mit dem letzten Ton sieht man auf und landet schlagartig wieder in dem Konzertsaal, in dem sich so viele Leute erheben und klatschen. Das ist ein klasse Gefühl, was sich anfühlt, wie der Moment in der Achterbahn, wenn der höchste Punkt erreicht ist und der schwerelose Fall beginnt."


Auch abseits der Auftritte fördert der Musikverein die Beteiligung der Jugend und unterstützt die jungen Talente, wo es geht. Hierbei liegt der Fokus auf den Menschen und der Musik, nicht auf dem Alter. Ein geselliges Miteinander mit viel Spaß und Freude wird man deshalb bei der Blaskapelle Hochdorf immer finden. Wer Lust auf’s Mitspielen bekommen hat, egal ob jung oder erfahren, ist in diesem bodenständigen, familiären Verein genau richtig und immer willkommen.

Vielen Dank an Henriette Fischer für ihre Unterstützung hinsichtlich dieses Artikels. sowie die Bereitstellung von Fotos und Videos.