SINFONIMA Team lernt Musikinstrumente der kurpfälzischen Hofmusik kennen

Fotos | Bildrechte dieser Seite: Isabelle Haupt  © Mannheimer Versicherung AG

Eine Führung, die man nicht unbedingt im Mannheimer Schloss erwarten würde: Das SINFONIMA-Team wurde fachkundig von Instrumentenbauer Matthias Kohl in die Geschichte des Instrumentenbaus der kurpfälzischen Hofmusik eingeführt. Wussten Sie, dass die Instrumente im Barockschloss Mannheim ausgestellt werden?



Originalinstrumente des kurpfälzischen Hoforchesters und der Mannheimer Hofinstrumentenbauer des 18. Jahrhunderts sind selten zu finden. Von den Streichinstrumenten, die in Bezug zum kurpfälzischen Hoforchester standen, sind außerdem bisher nur wenige bekannt, obwohl sie doch die Mehrzahl der Hoforchesterinstrumente ausmachten. Sie ließen sich mit einigen Umbauten den veränderten Anforderungen stets anpassen und sind bis heute sehr gut spielbar und daher in Gebrauch; somit haben sich nur wenige Instrumente im Originalzustand erhalten. In den letzten Jahren ließ sich nun eine kleine Sammlung an Streichinstrumenten zusammenstellen, die seit April 2015 im Trabantensaal in der Beletage des Mannheimer Schlosses ausgestellt ist. Für die seltenen Exponate wurde dieser Ausstellungsort bewusst gewählt, denn er befindet sich in unmittelbarer Nachbarschaft jenes Ortes, an dem sie einst erklungen sind: dem festlichen Rittersaal. Dass die hier ausgestellten Instrumente aus dem unmittelbaren Umkreis der berühmten kurpfälzischen Hofmusik stammen ist allein schon - zumindest für Mannheim und die Kurpfalz - eine kleine Sensation. 

Der erste nachweisbare Geigenbauer Mannheims ist Jacob Rauch (um 1680-1763). Bisher waren Instrumente von ihm nur in Innsbruck, Stockholm und New York öffentlich zu sehen, nun sind im Trabantensaal eine um 1710 gebaute Violine aus seiner Innsbrucker und eine um 1740 gebaute Viola aus seiner Mannheimer Zeit ausgestellt.  Rauchs Viola ist in zweifacher Hinsicht eine Rarität: 1. Violen aus dieser Zeit sind besonders selten. 2. In dieser Zeit existierte an vielen Höfen kein eigener Instrumentenbau. So waren z. B. an den benachbarten Residenzen in Karlsruhe und Stuttgart noch keine Geigenbauer tätig.

Drei von Mathias Gülich (?-1803) gefertigte Violinen aus den Jahren 1759, 1778 und 1793 sind die bisher einzigen vorliegenden Instrumente dieses Meisters. Die Mathias-Gülich-Violine von 1778 blieb ebenso wie die Jacob-Rauch-Viola und die Löwenkopfgeige, die Gotthard Ebner zugeschrieben wird, bis zum heutigen Tag in Mannheim (und Heidelberg). Wahrscheinlich fand die Löwenkopfgeige über Innsbruck den Weg nach Mannheim und ist seit 300 Jahren in der Kurpfalz.

Bereichert wird die Sammlung durch ein Violoncello von Joachim Tielke, das mit einem Löwenkopf geschmückt ist und um 1700 in Hamburg gebaut wurde.

Mit sechs der sieben genannten Instrumente lassen sich sowohl die glanzvolle Epoche der kurpfälzischen Hofkapelle als auch Mannheims Übergang in das bürgerliche Musikleben nachvollziehen.

Alle sieben Instrumente sind Leihgaben aus Privatbesitz und werden von Geigenbaumeister Matthias Kohl aus Heidelberg fachkundig betreut. Selbstverständlich sind sie SINFONIMA versichert.


(Quelle: Broschüre "Die Musikinstrumente der kurpfälzischen Hofmusik im Barockschloss Mannheim" von Matthias Kohl und Bärbel Pelker. Heidelberger Akademie der Wissenschaften, Schwetzingen. Text wurde teils leicht angepasst.)


Für das SINFONIMA-Team war diese Führung unheimlich interessant. Besonders begeistert waren wir davon, diese historischen Instrumente von so hohem Wert in den Händen halten zu dürfen. Herzlichen Dank an Matthias Kohl für die gute Einführung. Außerdem danken wir herzlich den beiden Musikern, der spanischen Violinistin Covadonga Alonso und dem Solobratschisten Julien Heichelbech des Nationaltheater-Orchesters Mannheim e.V. , die uns hörbaren Genuss verschafften, indem sie uns den Klang der ausgestellten Instrumente in Form eines kleinen Privatkonzerts im Rittersaal demonstrierten.