Projekt SOFIA - Support Of Female Improvising Artists

Fotos | Bildrechte: Screenshot auf SOFIA 2016 Dokumentation

Wissen und Erfahrungen teilen, ein Netzwerk gründen und sich gegenseitig als Musikerinnen unterstützen, und das in kleinen Gruppen und begleitet von Referenten, die sich auskennen. Diese Idee steht hinter dem internationalen Projekt SOFIA, gegründet von Saxophonistin Nicole Johänntgen. 

2013 hast Du das Projekt SOFIA "Support of Female Improvising Artists" gegründet. Was ist die Idee des Projekts, warum benötigen gerade Frauen Unterstützung wie diese?

Hinter dem Projekt steckt nicht die feministische Idee "Wir Frauen machen Musik". Es geht in der Hauptsache darum, unser Wissen zum Bereich Musikbusiness zu teilen und sich darin Unterstützung zu geben. Im Studium werden solche Themen wie "Wie komme ich an die richtigen Leute heran?", "Wie komme ich zu Gigs?", "Gute PR-Arbeit", "Musikerinnen mit Kind" oder juristische Fragen etc. nie besprochen. Es ist alles immer ein learning by doing und man muss immer seine Erfahrungen sammeln, was natürlich viele Jahre dauert. Das muss nicht sein, es geht auch durch das Lernen von anderen. Entweder Du sammelst 10 Jahre Erfahrung oder Du kommst zu einem SOFIA Workshop (lacht). Du bekommst dort einen guten Rucksack voller Informationen.

Normalerweise lade ich Dozenten/Experten für Vorträge ein. Weil ich mittlerweile auch schon viel Erfahrung gesammelt habe, habe ich vor Kurzem selbst einen 3-stündigen Vortrag gehalten und es war einfach toll. Vielleicht wird das mein weiteres Steckenpferd (lacht). Es haben Musikermädels aus der Ukraine, aus Tschechien, Österreich und anderen Ländern teilgenommen und wenn man sieht, dass sie nach dem Kurs leuchtende Augen haben und ganz viel mit ihrem Selbstbewusstsein passiert, ihnen das gut tut, ist das sehr bestärkend. Ich bin ja schon lange im Musikbusiness tätig und kümmere mich um solche Dinge wie Booking, PR vorwiegend selbst, es läuft sehr gut. Ich bin selbstständig und möchte den Mädels, die neu dazukommen, Mut machen und sagen, "Hey, ihr könnt das auch".

2003 bin ich nach Amerika rübergeflogen und habe bei "Sisters in Jazz" teilgenommen, quasi dem Vorreiterprojekt von "SOFIA" . Bei Sisters in Jazz lag der Fokus aber komplett auf der Musik, dem gemeinsamen Musikmachen, nicht auf dem Thema Musikbusiness. Aber es hat so viel Spaß gemacht und geholfen, Kontakt zu knüpfen, ein Netzwerk zu gründen und in Kontakt zu bleiben. Es geht eigentlich nicht so sehr um den Einzelnen, sondern um das Netzwerk.

Es gibt immer noch weniger Frauen im Jazz als Männer, wie in vielen anderen Berufen auch, KFZ-Mechaniker zum Beispiel. Ich merke immer wieder, wenn wir in SOFIA zusammenkommen, welche Energie dort frei wird, wieviel man mit nach Hause nimmt. Es ist wie ein Sprungbrett. Es geht um Erfahrungswerte von anderen Teilnehmerinnen, den Austausch, das Wissen, dass man nicht allein ist, sondern die gleiche Problematik teilt. Nur weil weniger Frauen im Business sind, man deshalb weniger kommuniziert, meint man, alleine dazustehen. Das stimmt aber nicht. Typische Probleme sind z.B. Unsicherheiten bei der Verhandlung der Gagen.

Die SOFIA Workshops gehen eine Woche lang und finden alle zwei Jahre statt (Themen, die besprochen werden, sind Booking, PR; Bühnenperformance, Musikphysiologie und ab dem nächsten Mal auch juristische Fragen). Und all das in einer kleinen Gruppe von bis zu 6 Personen, die dann auch gemeinsam in einer Band spielen könnten.

Ich finde dieses Projekt und diese Arbeit schön. Ich finde es super, wenn die Mädels etwas daraus mitnehmen und sie Power kriegen und im Anschluss der Workshops auf Facebook posten "Konzert mit mir, hier eine Konzertkritik, ein neues Projekt, eine Einladung zu..." ...und und und. Man wird in den Workshops positiv unter Strom gestellt und aktiviert. Im März 2018 wird es die dritte Durchführung von SOFIA geben.

Mehr zum Projekt
https://www.nicolejohaenntgen.com/projects/sofia-support-of-female-improvising-artists/

Alle Infos zur verbindlichen Teilnahme und den Voraussetzungen: http://www.sofia-musicnetwork.com/

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