SINFONIMA-Versicherte stellen sich vor, Teil IV: Jazztrompeter Thomas Siffling

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Thomas Siffling erfindet sich neu! Der Jazztrompeter aus Mannheim mit dem weichen, runden Sound atmet derzeit etwas durch, sucht gleichzeitig aber einen neuen Sound und neue Projekte, denen er sich 2016 verstärkt widmen möchte. Ein Gespräch über Aktuelles, Geplantes und Privates. Und über SINFONIMA.




2015 ist mein Durchatmejahr, 2016 kommt ein neuer Siffling


Es gibt Zeiten im Leben, da muss man sich einfach erlauben, eine kleine Pause einzulegen um sich selbst zu finden. Thomas Siffling scheint momentan an diesem Punkt zu stehen, auch wenn "Pause" vielleicht eher als "innehalten" und "neu orientieren" zu verstehen ist. Denn still steht er trotzdem nicht. Dazu fordern ihn seine unterschiedlichen Projekte und Rollen ganz gewaltig.

Gerade Anfang des Jahres war viel los. An erster Stelle stand seine 2014/2015er Auftragskomposition 2 Gents. Ein romantisches Handlungsballett arrangiert von Kevin O'Day, frei nach der Shakespeare-Komödie "Zwei Herren aus Gerona". Das Stück wurde bisher bereits mehrmals im Opernhaus des Nationaltheaters Mannheim aufgeführt - der Großteil der Shows war nahezu ausverkauft. Ein toller Erfolg, aber ein "Kraftakt" in der Vorbereitung, so Siffling. Die erste Hürde seiner 2. Auftragskomposition: Die Auswahl des passenden Stücks gemeinsam mit O'Day. "Ich mag nur Happy ends", gibt er zu. Dieser Anspruch sei mit 2 Gents erfüllt. Der Weg zum anspruchsvollen Ziel ist oft jedoch beschwerlich. "Ich schiebe vieles auf, bis der eigene Leidensdruck zu groß wird und etwas passieren muss - ich kreativ sein muss." Kreativ sein auf Knopfdruck funktioniert aber nicht immer. Bei Auftragskompositionen sollte die musikalische Untermalung vor der Erstellung der Choreographie im Groben stehen - eine schwierige Aufgabe. Siffling begann mit dem Schreiben von Motiven: Ein Liebesmotiv, ein Konfliktmotiv und nach und nach entwickelte sich alles weiter. Nach etwa einem Jahr Arbeit, vielen Terminen, an denen man sich austauschte, probte, wieder verwarf, neu entwickelte, stand das Stück und wurde zu einer Art Musicalkomödie, die nicht alle, aber wohl den Großteil der Besucher begeistert. "Ein insgesamt langwieriger aber trotzdem spannender Prozess, bei dem ich wieder viel gelernt habe", beschreibt Siffling das Projekt.

Thomas Siffling ist schon lange – nicht nur in der regionalen Jazzszene sondern in vielen Ländern der Welt– eine feste Größe. Und doch liegen ihm Konzerte in und für die Region am Herzen. Neben der im 2-wöchigen Rhythmus stattfindenden Auftrittsreihe Nightmoves im Theatercafé des Nationaltheaters Mannheim, den Performances mit dem Jazzensemble Baden-Württemberg, neben den Proben und Auftritten mit seinem bereits zehn Jahre bestehenden Thomas Siffling Trio und seiner ebenfalls langjährigen Funktion als künstlerischer Leiter der SAP Big Band, engagiert er sich regelmäßig bei stimmungsvollen, nicht-alltäglichen Konzerten. Dazu zählte z.B. das Charity-Konzert für Clara (Ambulanter ökumenischer Kinder- und Jugendhospizdienst Mannheim), das Traumkonzert im Schloss oder auch Konzerte an ganz ungewöhnlichen Orten, wie dem kühlen Nass des Herschelbads Mannheim (Nordic Lights and Sounds). (Anm. d. Red: SINFONIMA war übrigens beim Traumkonzert dabei und hat darüber berichtet).

Man erkennt: Siffling vertritt nicht nur die Seite des vielbeschäftigten Musikers, sondern wechselt zwischen den Rollen Bandleader, Sideman, Dirigent, Kompositeur und Lehre ab. Nachwuchsmusikern empfiehlt er ebenfalls eine breite berufliche Aufstellung, um finanziell auf festen Füßen zu stehen. Gerade am Anfang seiner Karriere fiel ihm jedoch schwer, zwischen der Seite "Musiker" und der Seite "Business" zu switchen. Leider lerne man während des Studiums nur die "handwerklichen Fähigkeiten". Gerade aber die wichtigen organisatorischen Dinge rund um die Musikerkarriere nicht. "Was bedeutet es, Bandleader oder Sideman zu sein? Wie funktioniert die Musikwelt? Wie baut man seine Karriere sinnvoll auf? Wie nimmt man seine erste CD auf? Wie sieht ein Labelverlag aus? Wie spricht man mit Veranstaltern? Bei Fragen wie diesen sei ein Musiker meist auf sich alleine gestellt. Siffling kennt diese Unsicherheit, doch war er damals in der glücklichen Lage, eine Art Mentor gehabt zu haben, der ihn mit dem ein oder anderen Know-How unter die Arme gegriffen hat. Alles andere kam durch "learning by doing" und durch seinen Anspruch, "etwas machen zu wollen". Im Laufe der Jahre hat er inzwischen sehr viel Erfahrung, auch in den Bereichen Projektmanagement, Künstlerimage, Markenaufbau, Budgetierung, Pressearbeit etc. gesammelt. Diese gibt er gerne beratend im Rahmen seiner PR-Agentur Künstlersache und seiner Produktionsfirma SP-SIFFLING PRODUCTIONS an junge Berufsmusiker und auch Festivalorganisateure (Jazz and Joy in Worms, Jazzville an der Ostsee) weiter. Mittlerweile funktioniert der Switch zwischen dem Musiker Thomas Siffling und dem "Businessman" Thomas Siffling sehr gut und er ist "sehr glücklich darüber, dass ich nicht nur ein vielschichtiger Musiker sein darf, sondern, dass ich so viele unterschiedliche Aufgaben und Anforderungen habe und ich somit beruflich wie privat ein wirklich ausgefülltes Leben haben kann." Diese Dankbarkeit für das, was sein Leben auszeichnet, bringt er in unserem Gespräch mehrfach hervor. Man spürt, dass er liebt, was er tut. Einzige Schwierigkeit bei dem durchgetakteten Zeitplan: Sich genügend Zeit zum kreativ sein zu nehmen. Denn der sportliche Ausgleich 3-4 mal pro Woche sowie seine Familie stehen bei ihm ebenfalls ganz oben auf der Prioritätenliste und manchmal kann ein Tag dann sehr kurz werden. Vor einem Bürotag steht gewöhnlich das Üben mit Trompete und Flügelhorn auf dem Programm. Die Tageszeitung wird gerne mal auf dem Stepper gelesen, bei ausgeschaltetem Handy, unerreichbar für Alltagsprobleme. Zeit, die Siffling ganz für sich nutzt. "Es gibt keine Freizeit, wenn man sie nicht einplant", so Siffling.

Auch für seine Familie nimmt er sich sehr bewusst Zeit, bringt z.B. seinen kleinen Sohn so oft wie möglich in den Kindergarten und holt ihn auch von dort wieder ab. "Selbst wenn ich einen sehr stressigen Tag hatte: Sobald ich in den Kindergarten komme, ist alles genullt. Ich finde es sehr schön, dass ich zurück auf die normale Welt geholt werde, wenn ich mit meinem Sohn zusammen bin."

Den Rest des Jahres wird Siffling u.a. damit verbringen, neue, musikalische Reizpunkte zu suchen. Er wird mehr als sonst mit offenen Augen durch die Musikwelt gehen um eine neue, größere Band zu gründen, die sich vom Thomas Siffling Trio unterscheiden wird. Die drei Bandmitglieder kennen sich seit gut einem Jahrzehnt, haben sehr erfolgreich ca. 500 Konzerte in 50 Ländern gespielt. Siffling ist sehr dankbar für diese Zeit, sieht sich jedoch selbst in einer gewissen Schublade festsitzend. Alles, was das Trio bisher erreicht hat, war von hoher Qualität, jedoch sei 2016 Zeit für etwas Neues, Zeit für einen neuen Karriereschritt. Fans des "Siffling-Sounds" (manche behaupten, ihn im Radio heraushören zu können), brauchen dennoch keine Angst haben. "Ich möchte mir selbst, dem 'Schönklangmenschen' treu bleiben, aber aus dem eher weichen, runden Sound, dem 'Heranführen' an den Jazz herauskommen."

Der erste Schritt zu einer neuen Richtung ist mit der Edition 15 des Jazzensemble Baden-Württemberg bereits genommen: Aus dem ursprünglichen Quintett wurde ganz neu ein Oktett aus vier Bläsern und vier Rhythmusinstrumenten, das ab Oktober live mit dem Programm The DOORS - without words zu hören ist. Eine spannende Mischung von rockigem Jazz in der Besetzung von acht Jazzpreisträgern. "Das ist sehr spannend, denn zum einen ist es eine größere Band, zum anderen arbeiten wir gemeinsam mit einem sehr begabten Fremdarrangeur aus Berlin, der wirklich ambitioniert schreibt. Unsere CD wurde bereits aufgenommen und wird im Herbst veröffentlicht."

Das SINFONIMA-Team ist gespannt auf den neuen Sound und drückt Thomas Siffling fest die Daumen für die Phase der Neuorientierung und Weiterentwicklung.
Doch eine Frage müssen wir als Versicherer am Schluss noch stellen: Sind Ihre Instrumente denn gut bei uns versichert? Siffling lächelt: "Meine Versicherungsakte hält sich sehr klein. Der einzige größere Schaden passierte einmal, als ein Kollege meine Trompete hat fallen lassen. Die Abwicklung hat sehr schnell und reibungslos funktioniert. Ich kann sagen, ich fühle mich tatsächlich bei der Mannheimer durch den persönlichen Kontakt geborgen. Seit vielen Jahren bin ich Kunde, muss mich geistig nicht mehr damit beschäftigen und somit keine Ressourcen verschenken, denn ich weiß: Ich kann mich darauf verlassen, wenn etwas passiert."