SINFONIMA-Versicherte stellen sich vor, Teil VI: Prof. Thomas Stabenow

Foto | Bildrechte dieser Seite: Isabelle Haupt | Mannheimer Versicherung AG

Thomas Stabenow zählt zu den Musikern, die ihren Instrumenten die richtigen Töne entlocken und mit Leib und Seele musizieren. Der Musiker ist im täglichen Leben Professor für Jazz-Kontrabass an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Mannheim. Auf dem Open-Air Festival "Jazz im Grünen" spielte er mit der Band ELD NOW. Dort hat SINFONIMA ihn getroffen.

'Ich will einfach nur spielen!'


Auf der Bühne ist er ganz in seinem Musikerelement. Doch im normalen Alltagsleben trägt Thomas Stabenow einen Titel, und zwar einen recht hohen! 
Thomas Stabenow ist Professor für Jazz-Kontrabass an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Mannheim. Es war ein längerer Weg bis dahin, doch der Spaß am aktiven Musizieren ging dabei nicht verloren. Im Gegenteil! Auf der Bühne ist sein Enthusiasmus spürbar. Isabelle Haupt vom SINFONIMA-Team hat sich beim Open-Air 'Jazz im Grünen 2015'  mit ihm unterhalten. Ein kurzes Portrait des SINFONIMA-versicherten Vollblutmusikers der Band ELD NOW.

Eigentlich hatten Sie sich zuerst auf Klarinette eingestellt aber dann mit 21 Jahren umgeschwengt und haben zum Kontrabass gewechselt, warum?

Ganz einfacher Grund: Leider habe ich durch das Klarinette spielen immer Herpes bekommen. Dadurch musste ich mir ein anderes Instrument suchen.
Als ich an der pädagogischen Hochschule in Schwäbisch Gmünd angefangen (aber nicht fertig studiert) habe, waren dort Bässe vorhanden aber in einer der Bands hat ein Kontrabassist gefehlt. So kam ich zu diesem Instrument.

Spielen Sie heute noch auf dem gleichen Kontrabass wie damals? Und steckt hinter Ihrem Bass eine spezielle Geschichte?

Man ist ja immer unzufrieden, glaubt immer, das nächste Instrument sei besser als das, was man hat. Aber das stimmt gar nicht, von dieser Illusion lebt aber eben die Musikindustrie.
Die einzige Geschichte zu meinem Bass ist, dass mein Vater, der viel Vertrauen in seinen Sohn hatte und ihm zunächst sowohl eine Flöte als auch eine Klarinette gekauft hatte, ihm dann noch einen Kontrabass kaufte. Seitens meines Vaters gab es also viel Unterstützung, was mein musikalisches Interesse betraf. Das war dann auch das letzte Instrument, dass er für mich kaufen brauchte. Ich spiele meinen Bass als Erstbesitzer seit 1974.

Seit 1996 sind Sie Professor für Jazz-Kontrabass an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Mannheim. Warum haben Sie eine universitäre Laufbahn als Lehrender eingeschlagen, statt sich vollständig dem Leben als Musiker zu widmen?

Ich wurde an die Uni gerufen. Dieses Angebot habe ich natürlich nicht abgelehnt, dies ist schließlich ein Privileg und ausschließlich als Jazzmusiker kann man heutzutage ja nicht leben. Alle berühmten Jazzmusiker machen noch allerhand Dinge nebenbei. Für mich kam der Ruf der Hochschule äußerst passend.

Was geben Sie angehenden Musikern mit auf den Weg?
Ich empfehle genau aus eben genannten Gründen meinen Studenten, sich breit aufzustellen. Das Studium ist auch dementsprechend aufgebaut. Es bietet nicht nur eine gute musikalische Ausbildung, sondern auch eine staatlich-geprüfte Lehrbefähigung. Unseren Studenten geht es allen gut, sie sind bisher alle gut untergekommen und das freut mich sehr. Sie fahren teilweise sogar bessere Autos als ich ;-)

(Anm. d. Red. Lesen Sie zur Gesamtsituation von Jazzmusikern in Deutschland auch den SPIEGEL-Artikel rechts unter Downloads)

Das Musikstudium zu Ihrer Zeit im Vergleich zu heute - Gibt es Veränderungen?

Auf jeden Fall hat sich das Musikstudium verändert. Früher war es viel künstlerischer. Damals studierte man nur das Instrument und hat noch ein bisschen an Theorie aus dem Studium mitgenommen. Zu meiner Zeit gab es noch kein Jazzstudium in Deutschland. Das gab es nur in Graz und Hilversum (Niederlande). Ich habe dann in Deutschland klassisch studiert. Noch vor meiner Studienzeit, bis in die 50er Jahre hinein, hat man in der Klassik nur so lange studiert, bis man eine feste Stelle hatte. Heutzutage arbeitet jeder Student auf einen Abschluss hin. Mit gutem Grund! Wer tatsächlich mal unterrichten möchte, erhält an städtischen oder staatlichen Stellen mehr Geld, wenn man einen Hochschulabschluss in der Tasche hat. Deshalb macht jeder seinen Abschluss, einfach um mehr Sicherheit zu haben. Aber früher, wenn ein Hornist studiert hat, hatte er nach zwei Semestern seine feste Stelle im Theater und hat dann aufgehört zu studieren. Das Studium ist also insgesamt viel unsicherer und bürokratischer geworden. Das Drumherum ist richtig schulisch, das war früher ein bisschen lockerer. Damals hat man in den ersten beiden Semestern eher noch Kontakte geknüpft, wenn ich das mal so sagen darf und dann weiter geschaut.

Wenn Sie heute über sich selbst den folgenden Satz lesen "Prof. Thomas Stabenow ist einer der renommiertesten deutschen Jazz-Kontrabassisten": Was passiert dann in Ihnen?

Das ist natürlich ein nettes Feedback. Wissen Sie, ich bin jetzt 63, bin seit vielen Jahren mit der Jazzszene verwurzelt und habe über 200 Tonträger bespielt, damals sogar noch LPs. Das zeigt doch, dass da Substanz da sein muss. Wenn ich dann solche Sätze höre oder lese, freut es mich einfach, sie haben aber keine stärkeren Auswirkungen auf mich, da ich einfach so weiterarbeite wie immer.

Sie beschäftigen sich beruflich und privat sehr viel mit Musik. Was ist Ihr Hobby als Ausgleich? (Sport, Familie, Freunde, Bücher….). Oder ist 'aktiv Musizieren' eher der Ausgleich von Alltagssorgen und Beruf an der Hochschule?
Ich habe keine Hobbies. Ich will einfach nur spielen, das langt mir und führt bei mir zu mehr Ausgeglichenheit und innerer Ruhe, als wenn ich nicht spiele. Fragen Sie meine Frau!

Sind Ihre Familienmitglieder ebenfalls musikalisch?
Meine Tochter ist Psychologin geworden und meine zwei Enkel sind sechs und ein Jahr alt. Der große erhält Klavierunterricht, bei dem Kleinen muss man noch sehen.

Welche Erfahrungen haben Sie in Ihrer Musikrichtung und in Ihrem Sound beeinflusst?
Die Musiker, mit denen ich spiele, beeinflussen mich immer. Ein Hauptmerkmal des Jazz ist ja die Interaktion. Wenn ich nur nach Noten spiele, muss ich nicht mehr so arg nach den anderen hören. Klassiker spielen das, was aufgeschrieben ist. Wenn wir improvisieren, müssen wir aber non-stop aufeinander hören, um bestmöglich zusammen spielen zu können. Das ist es, was den Jazz spannend macht und was ich als Kunstform empfinde, die wichtigste Kunstform für mich, die es gibt.

Sie arbeiten mit sehr vielen unterschiedlichen Musikern zusammen. Standen mit internationalen Größen wie Chaka Khan, Al Jarreau oder Bill Ramsey auf der Bühne. Wie finden Sie sich mit Musikern zusammen? Gern können Sie dies am Beispiel der aktuellen Formation erklären: Wie hat sich ELD NOW gefunden?

Der Bandleader und Saxophonist, Gary Fuhrmann, und ich kennen uns schon länger, er war ein früherer Student an unserer Hochschule, hat schon vor langer Zeit seinen Abschluss gemacht und ist bereits lange angekommen im Profi-Business. Die anderen beiden Mitspieler, Holger Nesweda an den Drums und Tobias Weindorf am Piano, sind ebenfalls lokale Bekanntschaften. Auch wir kennen uns bereits sehr lange. Kosho unterstützt uns hin uns wieder mit seiner Stimme und Gitarre und bringt durch seine Präsenz noch einmal ganz neues Flair in die 'gewohnte' Zusammensetzung. Es ist immer wieder toll zu hören, wie unterschiedlich sich die einzelnen Stücke jedes Mal anhören und wie überraschend neu der Sound klingt. DAS ist JAZZ! Seitdem ich in die Metropolregion gezogen bin, treffen wir von ELD NOW uns hier regelmäßig, um gemeinsam Musik zu machen...

Woher kommen Sie ursprünglich?
Ich habe in Heidenheim an der Brenz gelebt, in Stuttgart studiert und von 1986- 2008 in München gewohnt. Die Jahre in München waren also die längste Zeit meines Lebens, die mich somit auch sehr geprägt hat. Ich war im besten Alter, hatte musikalisch gesehen den besten Output. Seit 2008 wohne ich in der Metropolregion Rhein-Neckar.

Haben Sie bestimmte Rituale am Tag? Zum Beispiel morgens Sport?
Sonntags den TATORT zu schauen. Also ein 90-Minuten-Ritual der Woche.

Thomas Stabenow, herzlichen Dank für dieses Interview mit Ihnen, besonders wegen der erschwerten Bedingungen! Die nächste Band spielte bereits auf der Bühne, so dass die Konzentration auf beiden Seiten  - Interviewer wie  Interviewtem- stark gefordert war.


Mehr zur Veranstaltung Jazz im Grünen 2015 in Schifferstadt.