Jazz and Joy Worms 2014

Bildrechte:© B. Bertram

Ein Festival mit wahren Musikgrößen ist zu Ende. Wir erlebten wieder ein großartig organisiertes Festival mit einer tollen Vielfalt an bekannten und weniger bekannten Künstlern und lassen Sie daran teilhaben.

Zugegeben: Dieses Mal haben wir hinsichtlich unserer Videos leider nur eine Amateurlösung parat. Doch wir wollten Ihnen trotzdem die musikalische Vielseitigkeit des Festivals nicht vorenthalten.

Bei teils sonnigen Abschnitten aber meist wolkenverhangenem Himmel haben wir am Freitag Abend und Samstag das Festival besucht und ein paar musikalische Lichtblicke per Handy eingefangen. Bis der Platzregen nicht nur uns, sondern auch die Musiker dazu zwang, jegliches technisches Equipment vor dem Nass von oben zu schützen und zu improvisieren.

Der Freitag Abend war Funk-Legende Maceo Parker gewidmet. Mittlerweile ist er 71 Jahre alt, doch wer es nicht weiß, der glaubt es kaum. Rund 200 Konzerte pro Jahr können die 98% Funk in seinem Blut nicht verringern. Mit ganzer Seele und unbändiger Energie gab er sich seiner Musik hin und stand in Worms gemeinsam mit seiner Tochter (Background-Vocals) und seinem Neffen (Schlagzeug) auf der Bühne. 

Unser Samstag begann bei kühlen aber noch recht sonnigem Wetter musikalisch mit dem Roberto Bonati Trio. Auch ein ungeübtes Auge nahm wahr, wieviel Leidenschaft und Enthusiasmus in diesen drei Männern und ihren Instrumenten steckt. Mit vollem Körpereinsatz boten sie dem Publikum ihre mal leisen und harmonischen, mal lauten und gewollt schrägen Improvisationen und Kompositionen dar.  

Gregor Meyle und Co. spielten zeitweise nur in Mini-Besetzung, weil Instrumente getrocknet werden mussten. Der Bandleader schaffte es aber trotzdem wunderbar, mit locker flockigen Sprüchen das Publikum zum Bleiben zu ermuntern. Gregor Meyle holte  immer wieder kleine Gute-Laune-Schätze aus seinem - wie er selbst formulierte -  "Animationsprogramm" hervor. Neben dem Standardanimationen wie Mitsingen und -schnipsen u.a. auch Tanzen mit dem Regenschirm. Er brachte die Zuhörer zum Lachen und die Sonne irgendwann auch wieder dazu, hinter den Wolken hervorzuschauen.
Wer ihn noch nicht aus der VOX-Sendung "Sing meinen Song" kannte, der erlebte einen sympathischen jungen Mann mit einer Gitarre, sinnreichen, wahren und nachdenklichen Lyrics auf eingängige Melodien. Vielleicht ein wenig zu eingängig, so dass manche Songs nur anhand der Textzeilen im Kopf blieben, sich melodisch und stilistisch aber nicht stark voneinander unterschieden.

Weiter ging es zu Jaro Milko & The Cubalkanics. Zwar empfanden wir den Gesang jeweils um eine Oktave zu tief angesetzt, doch rissen die Rhythmen auch jeden noch so Schüchternen mit. Auch wenn das Publikum ein wenig Zeit brauchte, bis es auftaute. Doch dann musste es einfach zu Balkanbeats und kubanischen Rhythmen der Band mittanzen. Sogar eine Gruppe von Erwachsenen und Kindern außerhalb des Festivalgeländes hielt die Beine, Hände und Hüften nicht still und bewegte sich sehr gekonnt im Takt der Musik. Das Publikum rief beim letzten Song mehrfach um Zugabe, konnte die Band damit tatsächlich ein weiteres Mal auf die Bühne holen. Eine gute Entscheidung, denn beim Cover von "Ne Na Na Na" von Vaya Con Dios blieb kein Stimmband und kein Tanzmuskel ungenutzt. Jaro Mailko & Co. schienen sehr erfreut aber fast ein wenig ungläubig und schüchtern über so viel Begeisterung.

Noch wilder ging es bei der kongolesischen Band Jupiter &Okwess International zu. Von der ersten Minute an waren die Zuhörer eingespannt in laute und energetische Afro- und Funkbeats. Manchmal blieb der Rhythmus minutenlang der gleiche. Etwas ungewohnt für das deutsche/europäische Empfinden. Doch kontinuierlich wurde auf  und vor der Bühne geschüttelt, was Körper und Shakers hergaben.

Die wohl schönste Bühne des gesamten Festivals war nicht nur am Freitag für Maceo Parker, sondern auch am Samstag für die Heidelberger Band DeePhazz reserviert. Wie gewohnt war diese eingerahmt von den DePhazz typischen Licht- und Farbspielen und Projektionen. Und wie gewohnt, spielten diese einen professionellen, energetischen und trotzdem sehr gefühlvollen Mix aus Soul, Latin, R&B und Jazz. Das Motto "Jazz and Joy" trifft bei dieser Band wohl genau ins Schwarze.

Unser Weg führte zu unserer letzten Station des Abends: Laing.  Dass die drei "morgens immer müde" sind, kann verstehen, wer die drei Sängerinnen mitsamt vierter Tänzerin abends auf der Bühne erlebt hat. Man wollte nicht aufhören, zuzuhören, war gespannt, was als nächstes folgen würde. Auch wenn keinerlei Berliner Dialekt im Gesang zu erkennen war: Die Texte der drei Sängerinnen verrieten die Prägung durch die Hauptstadt: Die direkte, etwas freche, oftmals poetische und doch sehr wahre Art, Dinge des Lebens in Worten und Bewegungen auszudrücken. Denn nicht nur Lyrics und Stimme gehören zu Laing, sondern ebenso eine perfekte Choreographie. Abends sind die vier allemal wach.

Ein gelungener und abwechslungsreicher Festivalbesuch, den wir im kommenden Jahr aber lieber bei trockenerem Wetter wiederholen möchten.



DeePhazz (Bildrechte: © B.Bertram)

Jaro Milko & The Cubalkanics (Bildrechte: © Mannheimer Versicherung AG)