SINFONIMA-Stiftung ehrt ihre Stipendiaten mit einem Konzert in der Münchener Residenz

v.l.n.r.: Anna Hennig, Dr. Marcus Kremer (Vorstand der Mannheimer Versicherungen), Katharina Jäckle, Dr. Lothar Stöckbauer (Vorstandsmitglied der SINFONIMA-Stiftung), Martin Jantzen

Interviews mit den Preisträgern 2014:
Wir haben mit Anna Hennig, Katharina Jäckle und Martin Jantzen über ihre Leidenschaft zur Musik gesprochen, wie diese begonnen hat und was ihnen der Gewinn bedeutet.  

Der Weg eines Musikstudenten in die Berufstätigkeit ist nicht leicht. Die baden-württembergischen Musikhochschulen versuchen gerade, mit einem neuen Festival ihren Absolventen den Start ins Berufsleben zu erleichtern. Es scheint notwendig, in Zeiten allgemeinen Sparwahns auf dem ohnehin schmalen kulturellen Sektor noch mehr als bisher zu tun, um dem musikalischen Nachwuchs eine auskömmliche Zukunft aufzuzeigen. Die Wege dahin sind verschieden:

Die Mannheimer SINFONIMA-Stiftung hat seit 1991 einen anderen, bereits vielfach bewährten Weg eingeschlagen – sie verleiht hochwertige Streichinstrumente  an junge Musiker. Für Geiger, Bratscher und Cellisten stellt sich mehr als bei anderen Instrumentalisten die Frage des qualitätvollen Instruments, wenn man beruflich weiterkommen will. Und das gilt nicht nur für Solisten, sondern für jeden Orchestermusiker. Für viele Familien ist aber die Anschaffung eines adäquaten Instruments außerhalb der Möglichkeiten, vielfach liegen die Preise im sechsstelligen Bereich. Deshalb baut die SINFONIMA-Stiftung stetig  eine Sammlung von Instrumenten auf, die langsam beachtliche Formen annimmt. In der Allerheiligen-Hofkirche der Münchner Residenz haben jetzt sieben bemerkenswerte junge Geiger ein herausragendes Konzert gestaltet. Hier stellten sie sich mit ihren vor einem Jahr übernommenen Instrumenten vor und bewiesen allesamt jene individuelle Aussagekraft, die ein außerordentliches Instrument ermöglicht oder zumindest begünstigt.

Hed Yaron-Mayersohn überzeugte mit einem Satz einer Sonate von Richard Strauss, Victoria Margasyuk mit Szymanowskis „Notturno e Tarantella“. Karlis Norde setzte mit dem ersten Satz  aus Schuberts A-Dur-Sonate schöne Akzente, Clara Plößner beeindruckte mit der souveränen Wiedergabe des  ersten Satzes der ersten Brahms-Sonate. Aleksandra Szurgot hatte sich für Ravels Tzigane entschieden, die sie temperamentvoll interpretierte, Ami Yumoto gestaltete Ernest Chaussons Poème lupenrein. Besondere Begeisterung löste Min-Kyung-Sul aus, die Tschaikowskys Valse-Scherzo und Wieniawskis Konzertpolonaise op. 4 im Programm hatte. Alle Solisten wurden von dem hervorragenden Pianisten Christoph Schnackertz kongenial begleitet.

Die SINFONIMA-Stiftung verleiht ihre Instrumente auf zwei Jahre, eine Wiederbewerbung ist möglich. Ziel der Unterstützung ist es, Musikstudenten an der Schwelle zum Berufsleben zu befähigen, sich selbst auf dem Markt zu behaupten. Dass diese Idee aufgeht, zeigte der Abend in München auch. Dort wurden einige Lebenswege aufgezeigt, die alle Hoffnungen erfüllt haben: Mehrere junge Stipendiaten konnten sich so weit profilieren, dass sie dauerhafte Instrumentenleihgaben von Privatpersonen oder institutionellen Mäzenen für sich gewinnen konnten. Genau in diese Lücke wollen der SINFONIMA-Vorsitzende Dr. Lothar Stöckbauer und der Kuratoriums-Präsident Prof. Saschko Gawriloff – einer der namhaftesten deutschen Geiger und Pädagogen – stoßen: „Wir sehen unsere Aufgabe nicht nur in der Elite-Förderung einzelner Ausnahmetalente, sondern im breiten Feld der wirklich exorbitant gut aufgestellten Orchestermusiker“, so Lothar Stöckbauer.

Die SINFONIMA-Stiftung kauft gelegentlich Instrumente hinzu, vielfach erhält sie aber auch Dauerleihgaben aus Familien, die sich von wertvollen Instrumenten nicht endgültig trennen wollen, diese aber auch nicht selbst nutzen. Gerade jetzt laufen Verhandlungen  über zwei exquisite alte Celli, die bald jungen Musikern zugutekommen sollen. Über die Vergabe der Instrumente entscheidet eine Jury, die mit namhaften Instrumentalisten, Dirigenten  und Hochschul-Pädagogen besetzt ist, nach dem jährlichen Vorspiel. In diesem Jahr wurden, ebenfalls in München, drei Celli vergeben:

Anna Hennig erhielt ein Gragnani-Cello aus dem Jahr 1783, Katharina Jäckle ein Vuillaume-Cello von 1860 und Martin Jantzen übt jetzt auf dem Siegfried Palm-Cello, das der Leipziger Geigenbauer Franz Johann Glass 1898 schuf. Der legendäre Cellist Siegfried Palm war bis zu seinem Tod 2005 Vorsitzender des SINFONIMA-Kuratoriums. Zusätzlich zum Instrument erhalten die jungen Künstler meist auch einen passenden Bogen. Außerdem werden   – ein nicht zu unterschätzender Vorteil  – auch die Kosten für die Instrumentenversicherung übernommen. 

Die SINFONIMA-Stiftung bietet ihren Stipendiaten schließlich auch die Möglichkeit, öffentliche Konzerte in einem besonderen Ambiente zu spielen  – wie in der Allerheiligen-Hofkirche in der Münchner Residenz oder 2013 im Leipziger Gewandhaus –  und in diesem Rahmen auch mit eingeladenen Orchestermanagern ins Gespräch zu kommen. Die jungen Musiker wissen das sehr zu schätzen und zeigten sich beim Münchner Konzert überaus glücklich mit dieser Förderung.